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Drucke des 16. Jahrhunderts im Repertorium der Sangsprüche und Meisterlieder (RSM)

Mai 8, 2015

Im Moment arbeite ich an einer VD16-Konkordanz zur Druckbibliographie im ersten Band des Repertoriums der Sangsprüche und Meisterlieder (hrsg. von H. Brunner und B. Wachinger). Dieser erste Band („Einleitung, Überlieferung“) erschien 1994, nachdem die Textbände (Bd. 3 – Bd. 13) schon seit den 1980er und frühen 90er Jahren vorlagen.

Die Bibliographie der gedruckten Meisterlieder des 15. bis 17. Jahrhunderts (S. 325–547) umfasst ca. 800 Ausgaben, etwa 700 davon sind aus dem 16. Jahrhundert, 25 sind Inkunabeln und ca. 40 aus dem 17. Jahrhundert. Hinzu kommen etwa 30 Einblattdrucke. Für 540 der etwa 700 Titel des 16. Jahrhunderts gibt es eine VD16-Nummer. Die Herausgeber hatten selbst schon einige VD16-Nummern ermittelt, vor allem im Alphabet-Bereich von R bis S (mit sehr vielen Texten von Hans Sachs). Aber die große Zahl der ZV-Signaturen, besonders aus der erst später ausgewerteten Staatsbibliothek Berlin, standen damals noch nicht zur Verfügung.

Das VD16 hat seinerseits erst in den Jahren nach 2000 begonnen, das RSM mit seinen exakten Titelaufnahmen zur Identifizierung und Unterscheidung der oft unfirmierten und undatierten Liederdrucke zu nutzen. Es wurden auch in den letzten Jahren gezielt Titel ins VD16 aufgenommen, deren Standorte durch das RSM bekannt waren (wie z. B. die Liedflugschriften der Stadtbibliothek Winterthur in der Schweiz: ZV 27804, ZV 27809, ZV 27813, ZV 27818, ZV 27831 u.w.m.).

Die Druckbibliographie bietet aber nicht nur genaue Titelaufnahmen, sondern auch Beschreibungen der Titelholzschnitte. Was darüber hinaus besonders gut zu der Zielsetzung des Wikis der Drucke des 16. Jahrhunderts passt, sind die Verweise durch spezielle RSM-Nummern auf die Artikel in den Textbänden, in denen für jeden Text eine kurze Inhaltsangabe geliefert wird. Außerdem wird in der Druckbibliographie Forschungsliteratur zu den einzelnen Drucken bis 1994 angegeben.

Am Ende der Bibliographie gibt es u. a. noch ein Register der Standorte der Drucke. Berlin steht da von der Menge an Titeln her natürlich an erster Stelle. Überrascht hat mich aber, wie viele Drucke aus der Bibliotheca Palatina, die in der Vatikan-Bibliothek in Rom steht, noch nicht im VD16 verzeichnet sind (so ca. 40; dasselbe gilt übrigens auch für die British Library in London). Zudem sind im VD16 viele in Rom vorhandene Drucke nur mit einer Nummer aus dem alten Katalog der Bibliotheca Palatina von Enrico Stevenson nachgewiesen. Man muss aber schon ein bisschen Vorwissen mitbringen, um darauf zu kommen, dass man die betreffenden Titel alle in einer Microfiche-Edition, die seit 1995 zur Verfügung steht (hrsg. von Elmar Mittler), einsehen kann. Auch dieses Werk, das in vielen deutschen Bibliotheken vorhanden ist, wird im VD16 gelegentlich zitiert, aber nur bei den ZV-Nummern. Offenbar waren sich damals die Bearbeiter des VD16 gar nicht bewusst, dass die Stevenson-Nummern und die Bibl.Pal.-Microfiche-Nummern sich auf dieselben Bibliotheksbestände bezogen, die in Rom alle vorhanden sind. An direkten Titelaufnahmen aus Rom gibt es dagegen nur fünf, davon vier mit einer Bibliotheca-Palatina-Signatur (S 2421, ZV 29698, ZV 24913, ZV 17430).

Im Ganzen haben 100 der etwa 540 Drucke aus der RSM-Druckbibliographie keine Standortangabe im VD16, sondern nur Nachweise in alten Katalogen, während man in vielen Fällen deren Standorte dem RSM entnehmen kann. Ich überlege, ob ich diese Informationen nicht in die Konkordanz einfügen sollte.

In einigen Fällen hat umgekehrt das VD16 Standorte, die in der Druckbibliographie des RSM fehlen. Denn eine ganze Reihe von Drucken, die im RSM noch verschollen gemeldet sind, sind mittlerweile wieder aufgetaucht, wie z.B. die Wernigeroder Gesangbuch-Sammlung, die ganz unversehrt in der Musikabteilung in der DSB Berlin stand, aber vor dem Mauerfall nicht in den alphabetischen Katalog aufgenommen war.

Jetzt kann man auch Nehlsens Bibliographie der Berliner Liedflugschriften von 2008 als Ergänzung zur Druckbibliographie des RSM heranziehen. Und man wird sehen, was die von der Berliner Staatsbibliothek für 2015 angekündigte Online-Datei der Liedflugschriften zusätzlich bieten wird.

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