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Recherchen im Universal Short Title Catalogue

Oktober 2, 2014

Über den Sommer sind die Benutzerzahlen am Wiki im Ganzen etwas zurückgegangen. Aber es ist doch weiterhin erstaunlich, wie viel Interesse die Liste der Drucke, die nicht im VD16 enthalten sind, findet. Es sind jetzt über 30.000 Klicks innerhalb von einem Jahr. Da diese Seite so viel besucht wird, ist es vielleicht angebracht, etwas mehr Energie in diesen Bereich zu investieren. Andererseits will ich aber viel Sucharbeit dafür nicht aufwenden, denn sobald die betreffenden Ausgaben im VD16 erscheinen, werden sie in meiner Liste wieder gelöscht. Zum größeren Teil waren die bisher gefundenen Titel auch Abfallprodukte meiner Arbeit an den verschiedenen Konkordanzen. Das ging daher relativ einfach.

Die Idee ist jetzt, ausländische Verzeichnisse von Drucken des 16. Jahrhunderts heranzuziehen, weil diese oft auch in Deutschland gedruckte Titel enthalten, wenn sie in der entsprechenden Sprache verfasst sind. Solche Bücher finden sich oft eher in ausländischen Bibliotheken als in deutschen, und am VD16 nehmen nun ja leider nur wenige ausländische Bibliotheken teil (außer den schweizerischen und österreichischen natürlich).

Am bequemsten kommt man an die Daten dieser Verzeichnisse über den Universal Short Title Catalogue der Universität St. Andrews (USTC). Ich mache eine Probe mit Titeln in französischer Sprache, die in Köln gedruckt sind. Anzahl der Treffer: 61.

Der Abgleich mit dem VD16 ergibt innerhalb dieser Anzahl 27 Titel, in vier Fällen gibt der USTC selbst die VD16-Nummer an. Diese vier sind aber doppelt aufgenommen worden, sie haben also zwei verschiedene Siglen im USTC.

VD16 F 2405 = USTC 30794 = USTC 672378

VD16 W 2187 = USTC 13098

VD16 W 2191 = USTC 13561

VD16 C 4084 = USTC 6707

VD16 ZV 1243 = USTC 1879

VD16 W 2192 = USTC 4056

VD16 H 5208 = USTC 6062

VD16 ZV 16741 = USTC 34474

VD16 V 1958 = USTC 37527 = USTC 672396

VD16 V 1959 = USTC 37528

VD16 ZV 15263 = USTC 37529 = USTC 659215

VD16 V 1960 = USTC 37530

VD16 ZV 18403 = USTC 78466

VD16 ZV 15247 = USTC 84007

VD16 W 2188 = USTC 88355 = USTC 671403

VD16 ZV 2309 = USTC 73702

VD16 V 1962 (enthalten in: VD16 V 1959) = USTC 74978

VD16 ZV 15247 = USTC 78263

VD16 V 1957 = USTC 78305

VD16 J 1113 = USTC 78389

VD16 ZV 1034 = USTC 78432

VD16 B 5802 = USTC 57391

VD16 L 7718 = USTC 57923

VD16 W 2188 im USTC angegeben = USTC 671403 (s. o.)

VD16 F 2405 im USTC angegeben = USTC 672378 (s. o.)

VD16 V 1958 im USTC angegeben = USTC 672396 (s. o.)

VD16 ZV 15263 im USTC angegeben = USTC 659215 (s. o.)

Es sind daher 19 Titel, bei denen im USTC die existierende entsprechende VD16-Nummer nicht angegeben wird. Da der USTC das VD16 komplett übernommen hat, müsste dies eigentlich zur Konsequenz haben, dass diese Titel im USTC doppelt aufgenommen worden sind. Das ist aber nicht der Fall, die 19 VD16-Nummern fehlen einfach.

Aber ich stelle die Frage, wie das zu erklären ist, erst einmal zurück und beschäftige mich zuerst mit den übrigen 34 Titeln, die im VD16 nicht erfasst sind und deshalb Kandidaten für meine Liste im Wiki sind.

Sieben Titel stammen von Georg Braun und enthalten Kupferstiche mit Stadtansichten von Franz Hogenberg. Es handelt sich um verschiedene Ausgaben dieses vierbändigen Werks, mit Unterschieden in der Formulierung der Titel: Livre des principales villes du monde, Theatre des cite du monde, oder ähnlich.

Beispiel:
LIBER QVARTVS || [en cartouche:] LIVRE QVATRI- || ESME DES PRIN- || CIPALES VILLES || DV MONDE [Köln], s.n., [1580]; USTC 23418

weiterhin: USTC 25261, USTC 93852, USTC 76735, USTC 76736, USTC 61753, USTC 65635

Bei einigen fehlt die Ortsangabe, aber anhand der Kupferstiche lassen sich diese Werke durch einen Vergleich mit den lateinischen und deutschen Ausgaben leicht den Druckern zuweisen. Das VD16 verzeichnet jedenfalls keinen dieser französischsprachigen Titel.

Nebenbei: Eigenartig ist der Hinweis im Kolophon einer dieser Ausgaben (USTC 76736) auf einen Drucker namens Johannes Sinniger (im Impressum verballhornt zu „Nessinniger“), der dem VD16 und Reske unbekannt ist.

LIVRE TROISIE || ME DES VILLES PRINCI || PALES DV MONDE.

[Kolophon: E2r:] COLONIAE AGRIPPINAE || IMPRESSIT IOHAN- || NES SINNNIGER, IMPENSIS AVCTO- || RIS FRANCIS. HOGENBERGI.
Köln, Johannes Nessinniger, 1583

Im VD16 gibt es noch eine Flugschrift in zwei Ausgaben (ZV 15381 und ZV 18735), die diesen Drucker nennen, aber nur als Hersteller der Vorlage („erstlich gedruckt bei“). Sollte es möglich sein, dass da ein Kölner Drucker bisher ganz übersehen worden ist? Sonst gibt es bei Reske und im VD16 nur Johann Singriener d. J., manchmal offenbar auch J. Sinniger genannt (vgl. USTC 78214), der aber nur in Wien und nur bis 1561 druckte. Das kann er also wohl nicht sein.

Weiter zu den französischsprachigen Titeln aus Köln, die im USTC verzeichnet sind, nicht aber im VD16:

Fünf Titel ohne Eintrag im VD16 stammen von Gérard de Vivre, einem in Köln lebenden Französischlehrer, dazu kommen elf weitere, die das VD16 dagegen auch kennt, von denen aber zwei im USTC doppelt aufgenommen worden sind und zwei weitere keine eigenständigen Titel darstellen, sondern in einem anderen enthalten sind. Von den fünf, die sich nicht im VD16 finden, ist ein Titel sicher eine Fehlaufnahme (USTC 23430), denn sie ist auf 1528 datiert, während der Kölner Drucker Gerhard Grevenbroich erst ab 1587 wirkte. Das angegebene Exemplar in Poitiers müsste also genauer überprüft werden. Vielleicht ist es identisch mit einer Ausgabe von 1597 (USTC 78453), von der es nur einen Nachweis aus der Sekundärliteratur gibt.

Auch von den übrigen drei Ausgaben von dem Autor Gérard de Vivre hat nur eine einen Exemplarnachweis (USTC 78306, USTC 78446, USTC 78242). Letztere immerhin könnte man in die Liste aufnehmen.

Weiter gibt es einen Einblattdruck (USTC 83750, über den berühmten beschrifteten Hering von 1587), sowie einen dem Katalog der Münchner Staatsbibliothek entnommenen Titel, der angeblich von 1568 ist, aber im Münchener Katalog dem Autor Antoine Arnauld zugeschrieben wird, der im 17. Jahrhundert gelebt hat (USTC 37532, das Exemplar existiert nicht mehr) und einen Titel, in dem der ursprüngliche Autorname Barlaimont zu dem Wort „Parlement“ verballhornt worden ist (USTC 78428). Diese bedeutungsverändernde Verschleifung tritt bei den Titeln des Wörterbuchs von Barlaimont aber erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Diese drei Titel können also in Bezug auf das VD16 direkt aussortiert werden.
Auch „La guide des chemins de tous le pais de la chrestienete“ (USTC 64523), sonst unter dem Titel „Itinerarium Orbis Christiani“, und nicht Charles Estienne, sondern Jean Matal oder Michael Aitzing zugeschrieben, kommt für das VD16 nicht in Frage, weil es sich um ein reines Kartenwerk ohne Text handelt.

Dann gibt es zwei Drucke von einem Drucker namens Hermann Jobin in Köln (USTC 22616), von denen einer auch im VD16 (USTC 1879 = VD16 ZV 1243) verzeichnet ist. Dessen Firma ist aber laut VD16 fingiert, als wirklicher Hersteller wird der Genfer Drucker Antoine Chuppin identifiziert. Wenn das VD16 somit auch Drucke aufnimmt, die nur einen fingierten deutschen Druckort haben, dann wäre es also möglich, auch die andere Ausgabe von dem Phantom-Drucker Hermann Jobin der Liste der im VD16 fehlenden Drucke hinzuzufügen. Dasselbe gilt für USTC 1510, eine Ausgabe, die in Wirklichkeit in Caen gedruckt sein soll, für USTC 13203, in Löwen gedruckt (eine Zeitungsflugschrift, die fälschlich unter dem Ort der Schlacht, von der berichtet wird, katalogisiert worden ist) und für USTC 4118.

Umgekehrt wird eine antispanische Flugschrift mit dem fingierten Druckort Antwerpen im USTC dem Kölner Drucker Gottfried Hirtzhorn (Cervicornus II) zugeschrieben, aber da das einzig bekannte Exemplar, das in der UB Ghent steht, dort im Katalog ohne Druckort und Drucker geführt wird, kommt sie nicht in die Liste (USTC 441725). Auch eine aus dem Spanischen ins Französische übersetzte Schrift mit dem Namen eines Pariser Druckers ohne Angabe eines existierenden Exemplars ist zu unsicher (USTC 94362). Dasselbe gilt von dem Trachtenbuch von Jean Jacques Boissard, das im USTC einmal mit dem Druckort Köln (USTC 57396) und einmal mit dem flämischen Druckort Mechelen (USTC 414379) auftaucht. Wie eine bibliographische Anmerkung zu diesem Titel im italienischen Gesamtkatalog SNB (Kennzahl: IT\ICCU\RMRE17938) erklärt, hat der Drucker und Herausgeber das erste Vorwort auf Deutsch in Mechelen firmiert, das zweite auf Latein dagegen in Köln. Das Buch ist in mehreren deutschen Bibliotheken vorhanden, aber das VD16 hat es trotzdem, vermutlich mit guten Gründen, nicht aufgenommen.

Es bleiben die klar firmierten Drucke mit Exemplarnachweisen wie USTC 13434, 47695, 75220, 75809, 76033, 78390 (im Katalog der UB Gießen allerdings entgegen der Angabe des USTC nicht vorhanden), 65320, 66231. Die Ausbeute beträgt also ca. 20 Titel. Dasselbe könnte man nun mit anderen Druckorten, wie Straßburg, Basel und Frankfurt durchführen, dazu auch mit anderen Sprachen, wie etwa Holländisch (z. B. für Wesel und Emden).

Was die Arbeit mit dem USTC angeht, zeigt dieser kleine Bericht, dass man dort viel Material bequem geboten bekommt, dass man es aber nicht einfach unbearbeitet verwenden kann. Durch die Übernahme von Daten aus Katalogen und Bibliographien sind im USTC viele Verdoppelungen und auch Fehler eingestreut.

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