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Eine Meldestelle für italienische Bibliotheken

April 13, 2014

Im Internet gibt es schon seit vielen Jahren eine Liste mit den Adressen aller italienischen Bibliotheken: die Anagrafe Biblioteche Italiane (ABI). In der italienischen Alltagssprache versteht man unter der „Anagrafe“ eigentlich das Einwohnermeldeamt. Aber tatsächlich bedeutet „anagrafe“ nur „Register“.

Diese Internet-Seite ist nun im vergangenen Jahr beträchtlich ausgebaut worden, jetzt sind dort nicht nur die Adressen der Bibliotheken recherchierbar, sondern unter anderem auch einige Angaben zu den Beständen („patrimonio librario“). Und da die italienischen Bibliotheken traditionell neben den Inkunabeln auch die Anzahl der vorhandenen Cinquecentine dokumentieren, haben wir hiermit ein bequemes Recherche-Instrument für die Altbestände in Italien. Eingearbeitet wurden auch die Daten der kirchlichen Bibliotheken, die bisher über eine eigene Website zu erkunden waren: „Repertorio delle biblioteche ecclesiastiche italiane“ auf der Seite der Associazione dei Bibliotecari Ecclesiastici Italiani.

In die „Liste der italienischen Bibliotheken mit mehr als 1000 Cinquecentine„, die sich im Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts befindet, habe ich aus der ABI-Datenbank ca. 50 zusätzliche Bibliotheken aufgenommen.

Man gibt in die Suchmaske „edizioni del ‚500“ ein und erhält 2319 Treffer. Allerdings sind viele Bibliotheken nicht in der Lage abzuschätzen, wie viele Cinquecentine sie ungefähr besitzen, und nennen gar keine Zahlen. Bei der Eingabe von „incunaboli“ gibt es 1013 Treffer. In einzelnen Fällen müsste man genauer nachforschen, z.B. wenn die Biblioteca Capitolare in Padua angibt, 436 Inkunabeln zu besitzen, aber nur 300 Cinquecentine. Die Biblioteca San Paolino in Florenz hat angeblich 298 Inkunabeln, aber nur 265 Cinquecentine.

Das dieser Datenbank entsprechende deutsche „Handbuch der Bibliotheken“ dagegen beschränkt sich auf die Bestandsangaben zu den Inkunabeln. Online gibt es wohl das Fabian-Handbuch, das – wenn auch sehr nachlässig digitalisiert – noch viel mehr Informationen zu den einzelnen Bibliotheken bietet. Andererseits kann man das Fabian-Handbuch im inhaltlichen Teil nicht aktualisieren, und auch die Möglichkeit, die Einleitungsteile jeweils auf neusten Stand zu bringen, wird fast gar nicht von den Bibliotheken genutzt (ein Beispiel: es findet sich kein Hinweis auf die 2005 erfolgte Zusammenlegung der Senckenberg-Bibliothek mit der Frankfurter Universitätsbibliothek, die zugleich den Namen der Senckenberg-Bibliothek – oder jedenfalls eine sehr ähnliche Form – übernommen hat, so dass die Konfusion komplett ist).

Dem deutschen VD16 entspricht für die Cinquecentine in Italien das EDIT 16, es erfasst in Italien gedruckte Werke des 16. Jahrhunderts sowie ausländische Drucke in italienischer Sprache, mit bisher ca. 67.300 Titeln, von denen auch Digitalisate der Titelblätter aufgerufen werden können. Am EDIT 16 nehmen zur Zeit 1545 italienische Bibliotheken teil (am VD16 dagegen den offiziellen Angaben nach 300, in Wirklichkeit aber wohl nicht mehr als 100 – vgl. im Wiki die Zahlen der gemeldeten Titel im Vergleich 1997 – 2011). Viel Wert wird hier auf die Dokumentierung der Provenienzen gelegt, und traditionell werden in Italien auch immer genau die Druckermarken beschrieben (was ich ehrlich gesagt nicht wirklich ergiebig finde).

Man schätzt die Gesamtzahl der noch existierenden Ausgaben der italienischen Cinquecentine auf 80.000, aber diese Schätzung ist (wie auch die Schätzungen bezüglich der Gesamtzahl der deutschen Bestände) mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Wenn man in der Nationalbibliothek von Neapel nicht mit Sicherheit sagen kann, ob sie dort 30.000, 40.000 oder 50.000 Cinquecentine besitzen (vgl. Liste der italienischen Bibliotheken im Wiki), wie kann man dann behaupten, dass nur noch etwa 12-13.000 Titel bis zur kompletten Erfassung fehlen?

Wenn man dagegen deutsche Cinquecentine in italienischen Bibliotheken sucht, muss man auf den italienischen Verbundkatalog der Verbundkataloge (SBN) zurückgreifen, der auch durch den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) erfasst wird. Man kann im SBN nach den wichtigsten deutschen Druckorten suchen (mit den italienischen Namensformen, durch „or“ kombiniert mit der deutschen, und zwar ohne Umlaute) und auf 1501-1600 filtern:

Basilea or Basel: 3949 Treffer
Colonia or Koln: 2600
Francoforte or Frankfurt: 1742
Strasburgo: 858
Wittenberg: 658
Ingolstadt: 452
Lipsia: 431
Norimberga: 412
Augsburg or Augusta and not Torino: 341
(Augusta kann auch Augusta Taurinorum = Turin bedeuten)

Das sind zusammen ca. 11.500 Titel, zählt man noch Magonza/Mainz, Tubinga, Zurigo, Dillingen, Vienna/Wien, Heidelberg, Jena und Hagenau hinzu, kommt man auf ca. 13.000, im Ganzen werden es etwas mehr als 13.500 Titel sein (und ich bin nicht sicher, ob da nicht auch so manches moderne Faksimile mitgezählt wird). Aber viele große italienische Bibliotheken haben ihre ausländischen Bestände noch gar nicht komplett katalogisiert, bzw. maschinenlesbar konvertiert. Da ist in Zukunft noch viel mehr zu erwarten.

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