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Konkordanz zu „Das deutsche Kirchenlied“ für die Drucke des 16. Jahrhunderts

März 23, 2014

Ich habe nun Gelegenheit gehabt, mir die Editionsbände des „deutschen Kirchenlieds“ genauer anzusehen, genauer gesagt die dritte Abteilung mit den Drucken (Das deutsche Kirchenlied: kritische Gesamtausgabe der Melodien. Abt. 3: Die Melodien aus gedruckten Quellen bis 1680, hrsg. von Joachim Stalmann. Kassel 1993 – 2010). Es ist tatsächlich so, dass keine VD16-Nummern darin enthalten sind, das VD16 wird an keiner Stelle erwähnt. Aber das scheint im Bereich der Liederforschung keine Besonderheit zu sein, denn mir sind beim Herumstöbern mehrere neue Titel aufgefallen, die das VD16 gar nicht zu kennen scheinen, z. B. Nils Grosch „Lied und Medienwechsel im 16. Jahrhundert“ 2013 oder die Stuttgarter Bibliographie „Gesangbücher in Württemberg“ von Heinz-Dietrich Metzger (2002). Im Internet wäre da auch das „Liederlexikon“ des Freiburger Volksliedarchivs zu nennen.

Nun gut, man hat ja die Bibliographie im ersten Band des DKL von 1975, nicht mehr ganz frisch, aber dafür sehr gründlich (Das deutsche Kirchenlied. Kritische Gesamtausgabe der Melodien. Abt. I. Verzeichnis der Drucke; hrsg. von Konrad Ameln, Markus Jenny und Walter Lipphardt, Teil 1-2. Kassel 1975/ 1980; zugleich RISM B VIII). Hinzu kommen noch viele Nachmeldungen und Korrekturen in den verschiedenen Bänden der Edition selbst. Aber ich finde, man hätte auf jeden Fall die wichtigsten bibliographischen Daten von allen Titeln noch einmal in den neuen Bänden aufführen können, denn die Bände I/1 (1975) und I/2 (1980) mit der Bibliographie sind in der RISM-Reihe entstanden und werden in den Bibliotheken zusammen mit den übrigen RISM-Bänden aufgestellt. Wer sich mit der „Edition deutsches Kirchenlied (EdK)“ nicht auskennt, wird sicher einige Zeit brauchen, bis er dahinter kommt, dass die beiden Teilbände I,1 und I,2 ganz woanders in den Regalen stehen. Und dann hätte man auch gleich die bibliotheksinternen Signaturen nachtragen können, denn die fehlen auch in den beiden Bibliographiebänden. Dass die benutzten Quellen nirgendwo präzise angegeben werden, ist eigentlich ein wissenschaftliches Unding.

Nebenbei noch zum Namen des Projekts: Die Abkürzung „EdK“ wird in den Bänden selbst noch benutzt, nämlich zur Abgrenzung der vier Zeitabschnitte EdK1, EdK2, EdK3 und EdK4, aber in den Verlagsangaben taucht sie nicht mehr auf, es heißt da jetzt einfach „Das deutsche Kirchenlied“. Die Abkürzung „DKL“ wird aber offenbar weiterhin nur für die ersten beiden Bände, die Abteilung I, die zugleich in der RISM-Reihe erschien, verwendet.

Grundsätzlich sind ja Nachschlagewerke, bei denen man zuerst lange Einleitungen lesen muss, bevor man eben mal was nachschlagen kann, weniger praktisch. Aber in dem vorliegenden Fall braucht man wirklich ein spezielles Diplom für die Benutzung. Dabei ist es gar nicht so sehr die Systematik der Siglenvergabe für die einzelnen Drucke und die Melodien, was verwirrt. Es überrascht zwar, für jede Ausgabe drei verschiedene Siglen zu finden, nämlich die sehr einfache aus den RISM-Bänden (Jahreszahl plus hochgestellte laufende Nummer), dann eine gleichzeitig schon in der Bibliographie von 1975 eingeführte Kürzel, die nach inhaltlichen Gesichtspunkten zusammengesetzt war, und schließlich noch eine besondere Sigle des EdK-Projekts, die die DKL-Sigle etwas stärker systematisiert, um so zugleich als Bezugspunkt für die Melodie-Siglen zu dienen. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durch die Zusammensicht dieser drei Siglen kann man schon einige Informationen über verschiedene Ausgaben erkennen, ohne die einzelnen Texte studiert zu haben. Das ist nicht das wirkliche Problem.

Es ist vielmehr einfach die Menge an Verweisen, die einen mitunter zur Verzweiflung treibt. Zuerst einmal sind die Drucke von 1520 bis 1610 in vier Zeitabschnitte unterteilt worden. Der erste Teil geht von 1520 bis 1570 (EdK1, erschienen 1993 bis 1999 in drei Doppelbänden, jeweils Text und Melodien), der zweite von 1571 bis 1580 (EdK2, erschienen 2002 in einem Doppelband), der dritte von 1581 bis 1595 (EdK3, 2005) und der vierte von 1596 bis 1610 (EdK4, 2009). Dann ist jeder Zeitabschnitt in den Textbänden in die „Druckbeschreibung“ und den Kommentarteil zu den einzelnen Melodien unterteilt. Die Melodien erhalten noch besondere Siglen (mit Großbuchstaben am Anfang), die an die der Drucke angelehnt sind (dort mit Kleinbuchstaben am Anfang), in denen sie zuerst verwendet wurden.

„Druckbeschreibung“ habe ich in Anführungsstriche gesetzt, weil man zu den bibliographischen Daten überhaupt nichts erfährt, vermutlich mit der Entschuldigung, dass man diese ja in den Bänden I/1 und I/2 nachschlagen kann. Wer das allerdings nicht gleich versteht, kann mit den Anhäufungen von Buchstaben- und Zahlenkombinationen absolut nichts anfangen. Diese Druckbeschreibungen bieten immerhin Angaben zu Vor- und Nachreden, zu Widmungsempfängern und vor allem die Abfolge der Melodie-Siglen zu den einzelnen Liedern. Die Kommentare zu diesen Melodien finden sich im hinteren Teil des jeweiligen Bandes und die Noten der Melodien selbst in den dazugehörigen Melodiebänden. Und schließlich gibt es noch für jeden der vier Zeitabschnitte einen Registerband, an dessen Ende jeweils noch Abschnitte mit Addenda und Corrigenda zu den früheren Bänden warten. Schon die beiden Bibliographie-Bände der Abteilung I von 1975 und 1980 hatten am Ende jeweils solche Anhänge. Dann wundert es nicht, dass man noch einen abschließenden Kommentarband (2009) und danach noch einen (nun aber wirklich) abschließenden Registerband (2010) braucht. Das abschließende Register verweist auf das ganze Werk, einschließlich die verschiedenen Addenda und Corrigenda-Teile, wofür wieder besondere Siglen eingesetzt werden („AC …“).

Ich frage mich, ob die Bearbeiter da selbst noch am Ende durchgeblickt haben, was da denn worauf verweist. Ich gebe zu, ich habe im Ganzen nur 3 Tage mit diesem Werk hantiert, aber man braucht dafür wirklich große Schreibtische, weil man hin- und herverwiesen wird. Vielleicht kommt hier ja wirklich die Arbeit mit gedruckten Büchern an ihre Grenzen, eben durch die vielen angehängten Korrekturen und Zusätze.

Und möglicherweise liegt hier auch der Schlüssel für das eigentlich unverständliche Fehlen der VD16-Nummern. Vermutlich hielt man das VD16 am Beginn (also Anfang der 90er Jahre) für überflüssig, weil das VD16 ja eigentlich keine Musica practica enthalten sollte, und später wusste man wohl nicht mehr, wie man die Masse an notwendigen Nachträgen dazu noch einbauen sollte. Es gibt eine ganze Reihe von Fällen, bei denen die EdK davon ausgeht, dass bestimmte Drucke nicht mehr nachzuweisen sind, obwohl das VD16 Standorte dazu bietet, ganz zu schweigen von vielen zusätzlichen Ausgaben, die in der jetzt fast 40 Jahre alten DKL-Bibliographie nicht enthalten sind. Das Projekt stand wohl ohnehin unter Zeitdruckstress, der dann ja auch zum vorzeitigen Ende führte. So reichte die 1975 erschienene Bibliographie noch bis 1800, das Editionsprojekt sollte dann eigentlich bis 1680 gehen, und tatsächlich kam man nur bis 1610.

Andererseits muss man sagen, dass es ganz unbegreiflich ist, dass auch das VD16 die Arbeit des DKL kaum wahrgenommen hat, die Nachweise sind nicht mehr als 30. Umso interessanter wird dieses Werk für alle, die sich mit den Drucken des 16. Jahrhunderts beschäftigen, auch wenn sie keine Musikhistoriker sind. Die EdK bietet auf der Grundlage des DKL inhaltliche Erschließungen zu über 1000 Drucken des 16. Jahrhunderts, von denen knapp 300 im VD16 fehlen. Für weitere über 100 Drucke nennt das DKL Bibliotheksstandorte, während das VD16 von ihnen nur Nachweise aus der Literatur kennt. Daher hätte dieses Werk eigentlich allen benachbarten Disziplinen viel zu bieten, wie auch in allen Vor- und Nachworten immer wieder betont wird. Die Konkordanz zu den VD16-Nummern im Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts soll dazu beitragen, dass die interdisziplinäre Zugänglichkeit und Nutzung etwas erleichtert wird.

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