Zum Inhalt springen

Druckvarianten oder unterschiedliche Ausgaben?

August 15, 2013

Zu meinem letzten Beitrag vom 5.8.2013 ist hinzuzufügen, dass auch früher schon, als das VD16 noch eine Redaktion besaß, einige Forschungsergebnisse übersehen wurden. Bodo Gotzkowskys Bibliographie „Volksbücher“, Bd. 1, Baden-Baden 1991 wird im VD16 mehrmals zitiert, aber der Hinweis bei Gotzkowsky (auf S. 181), dass VD16: A 1756 (Alexanderroman, ohne Standort, nur mit Index Aureliensis-Nummer) identisch ist mit E 4315 (vorhanden in Wolfenbüttel und in Göttingen SUB), ist auch nach 22 Jahren im VD16 noch nicht angekommen, und offenbar hat es in all den Jahren niemand für wichtig befunden, das VD16 zu informieren. Die Zusammenarbeit der Forschung mit dem VD16 ist ganz sicher nicht optimal.

Aber noch einmal zu Duntzes Berichtigungen am VD16 (Oliver Duntze, Ein Verleger sucht sein Publikum, 2007). Zu einem grundsätzlicheren Problem führt nämlich die Beobachtung, dass Duntze bei bestimmten Drucken, die nur geringe Unterschiede auf den Titelseiten aufweisen, diese als gleiche Ausgaben mit geringfügigen Varianten wertet (z. B. ZV 3147 = C 1685). Ich weiß nicht, ob eine solche Diskussion unter den Buchhistorikern schon geführt worden ist, aber ich möchte trotzdem einmal die Frage aufwerfen, ob man tatsächlich jede winzige Verschiedenartigkeit auf einem Titelblatt automatisch mit einer zusätzlichen Nummer versehen muss.

Denn welchen praktischen Nutzen hat die Verdopplung von Ausgaben, bei der sich die eine von der anderen nur darin unterscheidet, dass auf dem Titelblatt irgendwo ein zusätzlicher Punkt steht? Und wie viel Aufwand verursacht es dagegen, dann alle Exemplare einer Ausgabe daraufhin zu untersuchen, ob dieser Punkt nun vorhanden ist oder nicht? Jeder kleine Fehler verursacht außerdem Konfusion und daraus resultierende langwierige Recherchen.

So ist z. B. VD16: J 4 völlig gleich mit VD16: ZV 21305, soweit sich das an den vorhandenen Digitalisaten erkennen lässt, nur dass auf dem Titelblatt in J 4 „Nurembergen͂“ mit einer Tilde geschrieben wird und in ZV 21305 ohne. Und prompt wird im VD16 das Digitalisat aus der ETH-Bibliothek Zürich unter dem falschen Titel verzeichnet.

Ebenso bei der Ausgabe VD16: ZV 7508, die sich von VD16: H 901 allein durch die Schreibung „Schlagk“ auf dem Titelblatt (H 901: „Schlag“) unterscheidet, sonst sind die beiden Ausgaben identisch (deshalb können die beiden Ausgaben, nebenbei gesagt, auch nicht zwei verschiedenen Druckern zugeschrieben werden). Das VD16 meldet aber das Exemplar Wien ÖNB: *35.R.213 fälschlich unter der Ausgabe VD16: H 901, anstatt unter ZV 7508. So entsteht oftmals nur überflüssige Konfusion.

Handelt es sich denn wirklich um verschiedene Ausgaben, und nicht vielmehr um nur kleine Varianten ein und derselben Ausgabe? Und lohnt der Erkenntniszuwachs wirklich den Aufwand? Meiner Ansicht nach würde es in vielen Fällen ausreichen, wenn man bei der Signatur anmerken würde, dass dieses eine Exemplar eine kleine Besonderheit hat. So wie die BSB München es z. B. bei VD16 L 804 gemacht hat: Hier wird nur bei den Bibliotheks-Signaturen angegeben, dass eines der Exemplare kein Druckerprivileg auf dem Titelblatt aufweist, also als exemplarspezifische Eigenart.

Advertisements

From → Uncategorized

2 Kommentare
  1. Ein kleiner Unterschied auf dem Titelblatt kann ein Indiz auf eine weitere Auflage eines Titels sein. Definitiven Aufschluss kann allerdings nur eine Analyse der Fingerprints geben. Allerdings, unübersichtlich wird es tatsächlich dann, wenn diese Informationen nicht deutlich im Katalogeintrag vermerkt werden.

    • Ein Indiz, einverstanden. Aber sobald im VD16 eine eigene Nummer vergeben wird, handelt es sich offiziell um eine neue Ausgabe. Einige der von mir genannten Beispiele sind digitalisiert. Man kann also überprüfen, ob außer den minimalen Unterschieden auf dem Titelblatt noch weitere Unterschiede existieren. Und wenn es keine weiteren Unterschiede gibt?
      Meiner Meinung nach führt die unkontrollierte Hinzufügung von VD16-Nummern nur zu einer künstlichen Aufblähung der Anzahl von Auflagen. Was halten Sie von dem Vorschlag, die betreffenden Exemplare vorerst nur mit einem Hinweis bei den Signaturen zu kennzeichnen und erst nach eingehendem Vergleich des gesamten Druckes eventuell eine neue Nummer zu vergeben?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: