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Nummernkonkordanzen zum VD16 im „Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts“

Februar 25, 2013

Wer sich schon einmal in der Situation befunden hat, einen Druck des 16. Jahrhunderts in den Händen zu halten, der einem unbekannt war und über den man nicht gleich über den Namen des Autors eine Orientierung bekommen konnte, der weiß, wie schwierig es werden kann, herauszufinden, ob ein solcher Druck schon gut erforscht ist oder ob man hier tatsächlich Neuland betritt. Meistens betritt man kein Neuland, das wissen alle. Umso so unbefriedigender ist es, wenn man zu diesem Buch nichts findet. Der erste Schritt wird immer sein, den Druck anhand des VD16 zu identifizieren. Dann hat man schon einmal eine Nummer, eventuell auch schon einige weitere Hinweise, z. B. weitere Auflagen desselben Textes, möglicherweise unter anderem Titel. Man kann es mit dem alten Schottenloher versuchen oder den Titel probehalber in Google eingeben. Aber wenn das zu nichts führt, dann bräuchte man eine Spezialbibliographie. Wenn es sie gibt …

Das „Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts“ könnte in solchen Fällen weiterhelfen, wenn es schon etwas weiter entwickelt wäre. Aber so wie es bisher aussieht, wird man darauf wohl noch einige Zeit warten müssen. Immerhin kann bis dahin vielleicht eine Nummernkonkordanz weiterführen, die Hinweise auf andere Verzeichnisse von Drucken des 16. Jahrhunderts gibt.

Was ist eine Nummernkonkordanz?
Der Artikel „Konkordanz“ im “Lexikon des gesamten Buchwesens (LGB2)” (Stuttgart 1987ff) geht auf Verbalkonkordanzen und auf Realkonkordanzen ein, nicht aber auf Nummernkonkordanzen, also auf die paarweise Zusammenstellungen in nebeneinander gesetzten Spalten von Nummern oder Siglen, die sich jeweils auf ein gleiches Objekt beziehen, im Fall des VD16 eben auf eine bestimmte Buchausgabe.

Eine Nummernkonkordanz hilft bei der Orientierung zwischen verschiedenen Verzeichnissen, in denen dieselben Objekte aufgelistet sind, und stellt sicher, dass in zwei (oder mehr) verschiedenen Quellen wirklich von demselben Objekt gehandelt wird. Solche Konkordanzen zum VD16 sollte man eigentlich in Verzeichnissen von Drucken des 16. Jahrhunderts finden, wenn diese Verzeichnisse ihrerseits nach eigenen Nummern geordnet sind. Leider sind sie aber noch nicht allgemein üblich.

Wenn die VD16-Nummern schon in dem Verzeichnis selbst jeweils bei dem entsprechenden Eintrag stehen, dann braucht man im Anhang nur noch eine Konkordanz, die nach den Nummern des VD16 geordnet ist. Wenn nicht, braucht man die Konkordanz in doppelter Ausführung, also auch nach den Nummern des betreffenden Verzeichnisses geordnet.

Ein doppeltes Verzeichnis hat z. B. auch das VL (Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Aufl. Berlin 1978-2008) im zweiten Registerband (nicht nur zum VD16, sondern daneben auch zum Gesamtkatalog der Wiegendrucke und zum VD17), weil da die VD16-Nummern erst nachträglich herausgesucht werden konnten, als das Verfasserlexikon vollständig erschienen war. Allerdings haben die Artikel des VL keine eigenen Nummern, deshalb werden der VD16-Nummer dort die Seiten- bzw. Spaltenzahlen der Artikel im VL gegenübergestellt. Aus demselben Grund ist im VL ist auch nicht von Konkordanzen, sondern von Registern die Rede. Aber letztendlich ist der Zweck derselbe.

Im Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts haben die Konkordanzen vor allem das Ziel, über die VD16-Nummer verstreute Informationen zu bestimmten Drucken zusammenzuführen. Es steht dabei in erster Linie ein Benutzer vor Augen, der die jeweilige VD16-Nummer schon kennt und der zu dieser Druckausgabe weitere Informationen sucht. Natürlich ist das Wiki im jetzigen Stadium noch lange kein Nachschlagewerk, weil es noch viel zu wenige Einträge gibt. Auch die Suche in den Konkordanzen, in denen man jetzt ja immerhin schon einige tausend VD16-Nummern finden kann, ist noch beschränkt, denn erst wenn man alle Ausgaben, die denselben Text enthalten, auf einer Seite zusammengestellt vorliegen hat, kann man nach Texten suchen und nicht nur nach bestimmten Ausgaben.

Trotzdem gibt es schon jetzt durch das Nebeneinanderlegen verschiedener Konkordanzen einige interessante Ergebnisse. Der Druck A 1123 etwa (Nonnulla opuscula von Rudoph Agricola d. Ä., Basel 1518) ist sowohl in „Opera poetica Basiliensia“ als auch im Repertorium „Geschichtsquellen des Mittelalters“ enthalten. In den beiden Repertorien, die sich gegenseitig nicht zitieren, werden verschiedene Teile der Ausgabe vorgestellt, jeweils mit verschiedener Sekundärliteratur.

Dasselbe gilt für eine größere Anzahl von Drucken in zwei verschiedenen Verzeichnissen, die Holzschnitt-Illustrationen zusammenstellen, nämlich Hollstein’s German engravings, etchings and woodcuts (Amsterdam 1954 ff wechselnde Erscheinungsorte, nicht online zugänglich) und der „Katalog der Wolfenbütteler Luther-Drucke 1513 bis 1546“ von Maria von Katte, die sich auch gegenseitig nicht zur Kenntnis nehmen.

Während im Hollstein‘s der jeweilige Holzschnittkünstler identifiziert wird und teilweise auch anderweitige Verwendungen der Holzschnitte angegeben werden, bietet von Katte online Motivbeschreibungen für alle Holzschnitte der in Wolfenbüttel vorhandenen Lutherdrucke bis 1546 mit Abdruck der Bilder (während die Wiederverwendungen hier nur für andere Lutherdrucke genannt werden) und Provenienz-Hinweise für alle in Wolfenbüttel vorhandenen Exemplare. Solche gegenseitigen Ergänzungen sind vor allem dann wertvoll, wenn dem Verfasser des später entstandenen Verzeichnisses das frühere nicht bekannt war. Und das wiederum geschieht häufiger, wenn die Verfasser verschiedenen Disziplinen angehören.

Die Auswahl der Verzeichnisse, die im Wiki ausgewertet werden, erfolgt in der Regel nach zwei Kriterien: Das Verzeichnis muss Informationen bieten, die über das, was das VD16 bietet, hinaus gehen, wobei lediglich zusätzliche Bibliotheksstandorte nicht ausreichend sind. Deshalb werden Verzeichnisse wie der Index Aureliensis, der Gesamtkatalog deutschsprachiger Leichenpredigten, Köhlers Bibliographie der Flugschriften oder gedruckte Bibliothekskataloge (z. B. London BL, Krakau BJ; Wien ÖNB, Cambridge Libraries) nicht berücksichtigt. Des Weiteren werden Verzeichnisse dann bevorzugt, wenn darin noch keine oder noch nicht alle VD16-Nummern eruiert sind.

Parallel zu den Artikeln über einzelne Druckausgaben sollen im Wiki deshalb noch weitere Verzeichnisse auf diese Weise erschlossen werden. Auch wenn die Verzeichnisse selbst schon die VD16-Nummer angeben oder gar selbst eine nach VD16-Nummern geordnete Konkordanz anbieten, dann liegt der Vorteil des Wiki doch darin, dass hier viele verschiedene Verzeichnisse durch eine Suchanfrage zugleich erfasst werden. Und möglicherweise befinden sich darunter auch einige, die der Benutzer gar nicht gekannt hat, weil sie aus einer anderen Disziplin als er eigenen stammen.

Bisher sind im Wiki folgende Verzeichnisse und Konkordanzen erschlossen (die normale Suchfunktion des Wiki im Suchfeld rechts oben auf der Hauptseite erfasst sie alle zugleich):

Juristische Dissertationen

Münchner Drucke 1564 – 1651

Hollstein’s German engravings, etchings and woodcuts

Saarbrücker Übersetzungsbibliografie

Hieronymus, Frank: Griechischer Geist aus Basler Pressen / Konkordanz mit dem VD16

Brüggemann/Brunken, Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur

Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ (Link funktioniert leider nicht, gehe über die Hauptseite: Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts)

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