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Neu in Cinquecentine.de: Konkordanz zu Esther-Beate Körber: Messrelationen. Bremen 2018

Messrelationen waren die Vorläufer der im frühen 17. Jahrhundert entstehenden Zeitungen. In den Messrelationen wurden die wichtigsten Nachrichten eines Halbjahres annalistisch zusammengetragen. Mit meist über 50 Blatt waren sie umfangreicher als gewöhnliche Flugschriften. Diese Nachrichten-Sammlungen wurden zu den Herbst- und Frühjahrs-Buchmessen in Frankfurt und in Leipzig von Verlegern seit den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts herausgegeben. Einige dieser Unternehmen hielten sich bis ins 18. Jahrhundert hinein.

Über lange Zeiträume hinweg gab es konkurrierende Projekte, unter anderem wurde darin über die konfessionellen kriegerischen Auseinandersetzungen der frühen Neuzeit aus gegensätzlicher Perspektive berichtet. Sehr oft wurde dabei aber auch einfach von Konkurrenzprodukten abgeschrieben.

Bibliographisch sind diese Druckerzeugnisse eine schwieriges Terrain. Die langen Titel sind oft weitgehend gleich, und von vielen Ausgaben existieren verschiedene Nachdrucke mit geringfügigen Variationen.

Die zuletzt in Cinquecentine.de eingegebene Konkordanz basiert auf den Daten der Bibliographie der Messrelationen von Esther-Beate Körber von 2018.

Ich habe schon vor ein paar Jahren die Bibliographie von Klaus Bender zu dieser Textsorte (Relationes historicae, Berlin 1994) in der Hand gehabt, die rückblickend eine Vorarbeit für Körbers Werk darstellt. Ich hatte anfangs vor, dazu eine Konkordanz zu erstellen, aber die Zuordnung der Titel dieser älteren Bibliographie zu den VD16-Nummern stellte sich als zu schwierig heraus, vor allem, weil das gedruckte Grundwerk des VD16 im Erscheinungsjahr der Bibliographie noch nicht abgeschlossen war und daher noch keine VD16-Nummern ermittelt waren. ZV-Nummern waren noch gar nicht vorhanden. Ich habe deshalb meinen Plan damals bald aufgegeben.

Die schwierige Arbeit des Vergleichs und der Unterscheidung der verschiedenen Ausgaben hat Körber jetzt geleistet, und sie teilt dabei auch schon viel über den Inhalt der einzelnen Relationen mit, dazu viele Standorte der Drucke, mit den Signaturen. Der größte Teil der VD16-Nummern ist von ihr ermittelt worden. Darüber hinaus hat sie auch die Ausgaben des 17. und des 18. Jahrhunderts untersucht, die den größeren Teil des Quellencorpus ausmachen. Eine Leistung, die tibetanische Geduld und Ausdauer erfordert.

Eine kleine Ungenauigkeit und einen veritablen Fehler möchte ich dennoch anmerken. Die vormalige besitzende Bibliothek vieler Titel, die heute in der Moskauer Staatsbibliothek stehen und die weiterhin im Katalog der Stabi Berlin verzeichnet sind, nennt sie „Königliche Bibliothek Berlin“, obwohl diese schon 1918 in Preußische Staatsbibliothek umbenannt wurde. Das war ihr Name, als die sowjetischen Kulturkommissare 1945 jene in Depots ausgelagerten Bücher als Kriegsbeute abtransportieren ließen.

Als „Bibliotheca Palatina“ bezeichnet man (im deutschen Sprachbereich) die Büchersammlung, die im dreißigjährigen Krieg aus der Heidelberger Bibliothek nach Rom verbracht wurde, wo sie heute noch, zum größten Teil in der Vatikanbibliothek, aber auch in verschiedenen weiteren Bibliotheken, aufbewahrt wird. In den 80er Jahren wurden diese etwa 12000, zum größten Teil aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bücher von einem von Elmar Mittler geleiteten Team katalogisiert und auf Microfiche verfilmt.

Im Gegensatz zu anderen Microfiche-Editionen (wie z.B. die der Gustav Freytag-Sammlung in der UB Frankfurt a.M.) sind die Titel der Bibliotheca Palatina einzeln in die Kataloge derjenigen Bibliotheken eingearbeitet worden, die die gesamte Microfiche-Edition angeschafft haben. Das bedeutet aber nicht, dass man, wie Körber es tut, diese Bibliotheken als „Standorte“ der betreffenden Titel behandeln könnte. Der Standort der Originale dieser Titel bleibt die Vatikanbibliothek, die dortigen Signaturen kann man über die von Mittler und seinen Mitarbeitern erstellte Bibliographie ermitteln. Sinnlos ist es dagegen, zu jedem betreffenden Titel die identischen langen Listen von Bibliotheken zu liefern, die die Microfiche-Edition angeschafft haben, und dabei die immer gleichen Fiche-Nummern anzugeben.

Am Ende noch zwei Worte generell zu dem Ziel der Zusammenstellung von diversen Konkordanzen in Cinquecentine.de.

Zum einen haben Konkordanzen die gleiche Funktion wie Indices von Sachbegriffen oder von Namen. Sie helfen, gezielt auf den gewünschten Eintrag in einer Bibliographie zuzugreifen, wenn man Informationen zu einem bestimmten Druck des 16. Jahrhunderts sucht, ohne das ganze Buch durchsuchen zu müssen.

Zum anderen besteht das Fernziel darin, diese verschiedenen Konkordanzen (und noch weitere) zu einem einzigen kumulierten Verzeichnis zusammenzuführen, das nach VD16-Nummern geordnet ist. Damit würde ein Parallel-Verzeichnis zum VD16 entstehen, das zu möglichst vielen der darin enthaltenen Nummern weiterführende Informationen liefert.

Natürlich wird man nicht zu allen über 100.000 Nummern des VD16 einschlägige Artikel in Nachschlagewerken finden, aber das ist auch nicht nötig, da ja viele Titel sich kaum voneinander unterscheiden.

Ich strebe als erste Etappe eine Marke von etwa 30.000 Nummern an. Zur Zeit dürften um die 18.000 in den Konkordanzen von Cinquecentine.de zur Verfügung stehen, aber genau gezählt habe ich bisher noch nicht.

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Das VD16 braucht Benutzungshinweise (Fragen und Antworten), Teil 2

Frage:
Was ist der Unterschied zwischen den A- bis Z-Signaturen und den ZV-Signaturen?

Antwort: Im gedruckten Grundwerk sind die Titel nach Verfassernamen mit Nummern von A 1 bis Z 959 geordnet. Diese Nummern sind auch in die online-Datenbank übernommen worden (etwa 75.000 Nummern).

ZV-Signaturen werden dagegen an Titel vergeben, die nach dem Abschluss der gedruckten Ausgabe in der online-Datenbank zusätzlich verzeichnet wurden (etwa 30.000).

Im gedruckten Grundwerk sind die Schriften, deren Verfasser nicht bekannt sind, im Alphabet nach ihrem Titel eingeordnet. Die verschiedenen Werke eines Verfassers stehen nicht in chronologischer, sondern in alphabetischer Reihenfolge, wobei Werke, deren Titel variieren, einen Einheitssachtitel zugewiesen bekommen. Verschiedene Ausgaben ein und desselben Werkes werden, nach Sprachen unterschieden (hochdeutsch, niederdeutsch, lateinisch etc.), chronologisch aufgeführt. Für Verfasser mit sehr vielen Werken und vielen Ausgaben, wie z.B. Luther, Melanchthon und Erasmus, aber auch für das Lemma „Biblia“ gibt es vorangestellte Übersichten.

Die ZV-Signaturen dagegen werden nach einer laufenden Nummer geordnet. Von ZV 1 bis etwa ZV 18000 wird man, wenn man eine Nummer nach der anderen aufruft, trotzdem noch vage eine alphabetische Anordnung erkennen, weil nämlich anfangs (bis in die 90er Jahre) die Kartei mit dem sogenannten Supplementalphabet alphabetisch geordnet war. Als aber klar war, dass die Fortsetzung des VD16 eine online-Datenbank sein würde, bekamen die neuen Titel ihre Nummern in der Reihenfolge des Eingangs der Meldungen. Man kann daher ab etwa ZV 20.000 anhand der ZV-Nummern ungefähr abschätzen, in welchem Jahr die jeweilige Ausgabe an das VD16 gemeldet wurde.

Es gibt darüber hinaus aber zwischen den Nummern des gedruckten Grundwerks und den ZV-Signaturen einen grundlegenden Unterschied. Im Grundwerk bekamen nämlich auch Texte, die gar nicht eigenständig erschienen, sondern Teil eines umfassenden Werkes waren, eine eigene Nummer. Diese enthaltenen Titel wurden ebenfalls unter den Verfassernamen oder – falls unbekannt – unter den Titeln ins Alphabet eingeordnet. Somit waren solche enthaltenen Titel praktisch zweimal im Alphabet vorhanden: unter ihrer eigenen Nummer und unter der Nummer des umfassenden Werkes.

Mit der Transformation in eine online-Datenbank wurde diese Praxis abgeschafft. Nun bekommen nur noch bibliographische Einheiten eine Nummer. Die enthaltenen Texte werden zwar weiterhin in dem Datensatz des umfassenden Werkes aufgelistet, haben aber keine eigene Nummer mehr.

Die alte Regelung, wie sie im Grundwerk galt, hatte für den Benutzer große Vorteile. Gerade im Buchdruck des 15. und 16. Jahrhunderts enthalten einzelne Ausgaben oft viele verschiedene Texte, häufig von verschiedenen Autoren und manchmal sogar aus ganz verschiedenen Gattungen und Themenbereichen. Wenn ein Forscher nun in einem Bibliothekskatalog die Ausgaben eines bestimmten Textes sucht, der sowohl separat als auch innerhalb von anderen Werken gedruckt worden ist, wird er normalerweise (jedenfalls in gut geführten Katalogen mit ausgearbeitetem Verweissystem) auf verschiedene Stellen im Katalog verwiesen. Es kann bei kleinen Texten, die in vielen verschiedenen Werken beigedruckt wurden (möglicherweise auch noch mit verschiedenen Titeln), sehr mühsam sein, diese Titel zusammenzusuchen. Im gedruckten VD16 dagegen hat man bequem alle Titel dieser Texte chronologisch aufgelistet zusammen. Die Datensätze der enthaltenen Titel mit eigener Nummer haben natürlich Verweise auf die Nummern der Werke, in denen sie abgedruckt sind.

Auch in einer nicht gedruckten Datenbank könnte man auf einfache Weise die in verschiedenen Werken enthaltenen Titel mit den separat gedruckten Ausgaben auf einer Seite zusammenführen, wenn sie alle den gleichen Einheitssachtitel führen und wenn diese Angabe sich in einem Feld der Titeleingabe befindet, das durchsuchbar ist. Das ist jedoch ein schwacher Punkt im VD16. In vielen Fällen findet man zwar auch in anderen Werken enthaltene Titel, aber nur deshalb, weil die mitgedruckten Titel meist schon auf dem Titelblatt genannt werden oder weil die ersten Titelworte des mitgedruckten Werkes in Klammern in die Titelaufnahme eingefügt worden sind.

Sicherheit gibt es bei dieser Suche aber nicht, denn an dieser Stelle können die Titel nicht vereinheitlicht werden, weil sie diplomatisch getreu abgeschrieben werden müssen. Es genügt deshalb ein kleiner orthographischer Unterschied, und der gesuchte Text wird nicht mehr gefunden. Die Einheitssachtitel dagegen tauchen erst weiter unten (unter „weitere Informationen“) in einem Feld auf, das offenbar nicht durchsucht werden kann.

Beispiel:
Von der Grammatik Jakob Heinrichmanns gibt es 57 Ausgaben im gedruckten VD16, von H 1983 bis H 2040. In der Online-Datenbank kommen noch weitere 10 mit ZV-Nummern hinzu. Alle Ausgaben enthalten als Zugabe u. a. einen Text von Heinrich Bebel, der im VD16 unter dem Einheitsachtitel „Ars versificandi“ geführt wird, obwohl in den Werken meist ein anderer Titel gewählt wird. Im gedruckten VD16 stehen diese Titel alle unter den Nummern B 1100 bis B 1162 zusammen, und das spart dem Benutzer eine Menge Zeit beim Suchen.

Im online-VD16 dagegen findet man bei der Sucheingabe „Ars versificandi“ nur vier separat gedruckte Ausgaben mit diesem Titel, weil der Einheitssachtitel in den 57 übrigen Ausgaben nicht in den Kopfzeilen, sondern am unteren Rand des Datensatzes stehen.

Es wäre wohl auch mit einem Numerus Currens-Verfahren möglich gewesen, die enthaltenen Titel weiterhin, wie im Grundwerk, mit eigenen Nummern zu versehen. Dadurch wären die Einheitssachtitel mit in die Kopfzeilen verschoben und wären somit durchsuchbar. Das wurde aber nicht gemacht.

Vermutlich hat man es vorgezogen, mögliche Konfusion bei der Zitation von VD16-Nummern zu vermeiden. In der Tat ist beim Zitieren von Titeln aus dem Grundwerk offenbar niemandem richtig klar, wie man mit zwei Nummern, die sich beide auf dieselbe bibliographische Einheit beziehen, umgehen soll. Zwar gibt es dafür im letzten Band der Abteilung I (Bd. 22, 1996) in der Einleitung eine Anweisung, wie enthaltene Texte richtig zu zitieren seien – Beispiel: VD16 B 8781 (beigedruckt zu: E 1211) – , aber ganz offensichtlich wird das nicht zur Kenntnis genommen.

Meistens werden die beiden Nummern einfach hintereinander gesetzt, so dass leicht das Missverständnis entstehen kann, dass es sich um zwei verschiedene Ausgaben desselben Textes aus demselben Jahr handelt (was ja tatsächlich sehr häufig vorkommt). Zwar wird man im VD16 mit beiden Nummern letztlich auf denselben Datensatz geführt, aber nicht jeder gibt zur Probe alle Nummern, die er zitiert gefunden hat, ins VD16 ein. So können leicht Phantomausgaben in die Welt gesetzt werden.

Mein Lösungsvorschlag für dieses Problem wäre, entweder „B 1100 in: H 1983“ zu schreiben, oder „H 1983, darin: B 1100“.
Was dagegen die Suche im VD16 nach enthaltenen Titeln betrifft, müsste ein Weg gefunden werden, die Einheitssachtitel in ein Feld umzubetten, das von der Suchfunktion erfasst wird. Und dann müsste aber überall, wo es notwendig ist, auch wirklich ein Einheitssachtitel eingesetzt werden.

Und schließlich: Spezielle Übersichtsseiten, wie sie im gedruckten VD16 für bestimmte Verfasser oder Lemmata mit vielen hundert Einträgen existieren, wären auch in der online-Datenbank nicht schlecht.

Frage:
Was sind XL-Signaturen?

Antwort: XL-Signaturen gibt es im VD16 seit ungefähr zehn Jahren. Sie werden an deutschsprachige Druckausgaben vergeben, die in anderen europäischen Ländern erschienen sind. Ausländische Drucke fanden sich im gedruckten VD16 nur, wenn deutsche Verleger mit im Spiel waren (z.B. Drucke aus Lyon). Ebenso wenn ein deutscher Druck einen fingierten ausländischen Erscheinungsvermerk trug oder umgekehrt ein ausländischer Druck einen fingierten deutschen Erscheinungsvermerk.

Zum deutschen Sprachbereich werden im gedruckten Grundwerk des VD16 selbstverständlich auch Straßburg, Colmar, Mülhausen und Schlettstadt gerechnet, auch Montbéliard (Mömpelgart), alle österreichischen und Schweizer Druckorte außer Genf, in Südtirol Brixen („Brixia“ dagegen ist nicht Brixen, sondern Brescia/Italien), im heutigen Polen Breslau, Stettin, Danzig, Liegnitz, Neudamm, Sorau, Elbing und Neiße und in Böhmen Eger. Außerdem Königsberg, das man heute als Druckort des 16. Jahrhunderts in ausländischen Katalogen unter „Russland“ findet, so wie die Straßburger Drucke unter „Frankreich“ (was auch sinnvoll ist, weil man nicht von allen Benutzern außerhalb Deutschlands erwarten kann, dass sie wissen, wie die Zugehörigkeiten vor 500 Jahren waren).

Damit entfielen aber im VD16 viele deutsche Drucker, die in ihren Städten für eine deutschsprachige Käuferschaft produzierten, wie z. B. in Prag, in Metz, in Krakau oder in Riga. Auch in Kopenhagen, in Antwerpen, in Krakau und Torun, in Rom und Venedig wurde in deutscher Sprache gedruckt. Der wichtigste Druckort außerhalb des „deutschen Sprachbereichs“ war sicherlich Prag, und dort liegen auch mit die größten Lücken des VD16. Leider kommt die Verzeichnung von Titeln mit XL-Signaturen noch viel langsamer voran als die der übrigen. In etwa zehn Jahren sind bisher ganze 189 Titel zusammengekommen.

Frage:
Einige VD16-Nummern haben keine Exemplarnachweise. Bedeutet das, dass es von diesen Ausgaben keine Exemplare mehr gibt?

Antwort: Die Titelaufnahmen im VD16 ohne Exemplarnachweise stammen aus Bibliographien und gedruckten Katalogen. Diese Bibliographien enthalten oftmals selbst Exemplarnachweise, die vom VD16 aber nicht übernommen wurden. Es sollte damit nur die Existenz einer entsprechenden Ausgabe angezeigt werden, aber ob das angegebene Exemplar tatsächlich existierte, konnte in der Anfangsphase des Projekts nicht überprüft werden.
Einige dieser Ausgaben, die nur in älteren Bibliographien nachgewiesen sind, müssen als verloren gelten, weil die betreffenden Exemplare im Krieg vernichtet wurden oder weil sie auch schon vor dem Krieg nicht mehr aufzufinden waren. Andere sind nicht mehr ohne weiteres zugänglich, weil sie nach Russland verbracht worden sind. Der größere Teil der Ausgaben ohne Exemplarnachweis im VD16 dürfte aber früher oder später irgendwo wieder auftauchen.

Eigentlich widerspricht die Auswertung von Bibliographien dem Prinzip des VD16, dass aus den Quellen gearbeitet werden soll, mit dem Buch in der Hand. Dazu einige Bemerkungen zur Entwicklungsgeschichte des VD16. Am Beginn des Projekts VD16 wurden systematisch nur die Bestände der beiden großen Altbestandsbibliotheken München BSB und Wolfenbüttel HAB bearbeitet. In den ersten Bänden des VD16 gibt es zwar vereinzelt auch Nachweise aus anderen Bibliotheken (München UB, Zürich ZB, Aschaffenburg SB, Düsseldorf UB, Coburg LB, Dillingen SB und einige weitere), viel größer als der Anteil dieser Ergänzungen war aber der Anteil der Nachweise aus Bibliographien, wie man sich anhand der langen Sigelliste der im VD16 benutzten Literatur vor Augen führen kann.

https://www.bsb-muenchen.de/sammlungen/historische-drucke/recherche/vd-16/
(unter Hilfsmittel zur Benutzung der Datenbank)

Die Meldungen aus anderen Bibliotheken (also nicht aus München und Wolfenbüttel) machten anfangs sicher nicht mehr als ca. 5 Prozent aus, in den 90er Jahren, also in den letzten Bänden, war es vielleicht ein bisschen mehr.

Die Angaben, die aus Bibliographien stammten, wurden im VD16 aber nur verwendet, wenn die dort aufgeführten Titel nicht schon in München oder Wolfenbüttel vorhanden waren. In vielen Fällen waren dann die Titelaufnahmen nicht ganz so komplett wie der Standard des VD16 es erfordert hätte. Sie waren offenbar als Provisorium gedacht.

Da aber in der Folgezeit immer mehr Bibliotheken Titelaufnahmen aus ihren Beständen an das VD16 meldeten, konnten die Angaben aus den Bibliographien für die bis dahin noch nicht erschienenen Bände oder für die anfangs geplanten Supplementbände anhand von nun vorliegenden Exemplaren komplettiert werden.
Dabei wurde jedoch der bibliographische Nachweis, den der betreffende Titelsatz enthielt, nicht entfernt. Deshalb haben auch heute noch in der online-Datenbank viele Titelaufnahmen einen Hinweis auf eine Bibliographie, obwohl sie zugleich auch Exemplarstandorte angeben.
Sie enthalten aber fast immer nur einen einzigen bibliographischen Nachweis, auch wenn dieselbe Ausgabe in zwei oder mehreren verschiedenen bibliographischen Werken enthalten war (Beispiel: ein niederdeutscher Druck, den das VD16 von der Bibliographie der Hamburger Drucke des 16. Jahrhunderts von Kayser/Dehn übernimmt, hat im VD16 keine Borchling/Clausen-Nummer, obwohl diese bei Kayser/Dehn immer angegeben wird).

Wenn gedruckte Bibliothekskataloge für das VD16 ausgewertet worden sind, dann war schon klar, wo man ein Exemplar dieser Ausgabe erwarten konnte. Man musste dafür nur wissen, dass zum Beispiel mit „NUC“ der amerikanische National Union Catalogue gemeint ist, der allerdings so gigantisch groß ist, dass man ihn nur in großen Bibliotheken findet. Hier wird dann auf die besitzenden amerikanischen und kanadischen Bibliotheken verwiesen, meist auch mit den Signaturen.

Dasselbe gilt für die Sigle „cat.BM“, die für den Katalog des Londoner British Museum steht, heute: British Library (BL). Auch hier referiert das VD16 nicht die Bibliothekssignaturen, ein Vorgehen, das ehemals vielleicht Sinn hatte, weil man ja nicht das Exemplar selbst in der Hand gehalten hatte, das aber, seit es Opacs und Digitalisate gibt, eigentlich obsolet ist. Die Zahl der dem Londoner Katalog entnommenen Titeldaten liegt bei etwas über 300, davon haben bis heute etwa 140 Titel nachträglich ein Exemplar zugeordnet bekommen (größtenteils nicht aus der British Library, sondern aus anderen Bibliotheken), die restlichen haben weiterhin nur den „cat.BM“-Nachweis.
Die British Library hat bis heute erst 358 Titel an das VD16 gemeldet (bei über 24.000 Drucken aus dem deutschen Sprachgebiet, die darüber hinaus zum großen Teil schon in einem gesonderten Katalog bibliographisch erfasst und publiziert sind), aber die 160 Titel mit „cat.BM“-Nachweis könnte man immerhin noch hinzurechnen. Allerdings muss man sich die Mühe machen, im Opac der British Library die Signaturen herauszusuchen.

Wie viele Titel es anfangs waren, die keinen Exemplarnachweis hatten und deshalb heute noch den Vermerk eines bibliographischen Nachweises enthalten, müsste man beim VD16 nachfragen. Ich schätze, es waren um die 15.000. Vereinzelt haben auch ZV-Signaturen noch solche Einträge, aber dann meist auch mit Exemplarnachweisen. Die verbliebenen ohne Exemplarnachweis dürften heute etwa bei 6000 liegen.

Um das Heraussuchen der Signaturen solcher im VD16 nur durch Bibliographien oder gedruckte Kataloge erfassten Ausgaben zu ersparen, habe ich eine gesonderte Liste von entsprechen VD16-Nummern zusammengestellt und die Signaturen hinzugefügt.

https://cinquecentine.de/index.php?title=Drucke_ohne_Standorte_im_VD16

Sie umfasst zur Zeit etwa 2600 Nummern.

Frage:
Wie vollständig ist das VD16?

Antwort: Die Frage nach dem Grad der Vollständigkeit kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden, weil nicht klar ist, wie viele der Druckausgaben, die im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachbereich produziert worden sind, bis heute in mindestens einem Exemplar oder auch in Fragmenten eines Exemplars überlebt haben. Die Zahl von 120.000 Ausgaben, die vor 15 Jahren einmal dazu genannt wurde, ist mit Sicherheit viel zu niedrig.

Gisela Möncke: Das „Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts“ (VD 16) als Teil einer deutschen retrospektiven Nationalbibliographie. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Bd. 51, Heft 4, 2004, S. 207–212

Erfasst sind im VD16 mehr als 100.000 Ausgaben, und jährlich kommen ca. 400 bis 500 neue Meldungen hinzu. Aber wichtige große deutsche Bibliotheken wie Stuttgart WLB, Erlangen UB, Augsburg SuStB, Regensburg SB, Darmstadt UB, sind erst zu einem geringen Teil erfasst.

Das gilt in noch stärkerem Maße für ausländische Bibliotheken mit großen Beständen aus dem deutschen Sprachbereich wie London BL, Paris BN, Straßburg BNU, St. Petersburg NB, Moskau SB, Kopenhagen KB, Stockholm KB, Den Haag KB, Amsterdam UB, Prag NB und Prag Nat. Museum, Wroclaw UB, Krakau BJ, Warschau NB, Brüssel BR, Basel UB, die italienischen Nationalbibliotheken in Rom, Florenz und Neapel, die Vatikanbibliothek und die großen amerikanischen Bibliotheken. Dazu kommen Hunderte von Archiven, die die Druckschriften z. T. noch gar nicht gesondert katalogisiert haben.

Vgl. dazu Jürgen Beyer: How complete are the German national bibliographies for the sixteenth and seventeenth centuries (VD16 and VD17)? In: Malcolm Walsby, Graeme Kemp (Hrsg.): The book triumphant. Print in transition in the sixteenth and seventeenth centuries. Leiden/Boston 2011, S. 57–77

Man muss damit rechnen, dass das VD16 auch in 50 Jahren noch nicht abgeschlossen sein wird, wenn in der Zwischenzeit kein größeres neues Erfassungsprojekt gestartet wird.

Das VD16 braucht Benutzungshinweise (Fragen und Antworten), Teil 1

Für die online-Datenbank des VD16 benötigt man eine Gebrauchsanweisung. Denn bei der Umwandlung der gedruckten Bibliographie in eine online-Datenbank sind ungewöhnliche Veränderungen im Aufbau des Werkes vorgenommen worden, die nicht nur für Erstbenutzer eigentlich eine besondere Anleitung erforderlich machen. Die gibt es aber nicht. Die wenigen Hinweise, die man unter „Hilfe“ findet, beziehen sich gar nicht speziell auf das VD16, sondern auf das gesamte Web-Portal „Gateway-Bayern“, in dem das VD16 angesiedelt ist.

Das gedruckte Grundwerk des VD16 hat zwar eine ausführliche Einleitung mit Erläuterungen, sogar mit einer englischen und einer französischen Übersetzung, aber die ist online nicht einsehbar und hilft bei den spezifischen Problemen der online-Datenbank auch nicht weiter.

Eine solche Gebrauchsanweisung müsste allerdings von jemandem geschrieben werden, der sich wirklich genau in allen Einzelheiten auskennt. Ich möchte hier nur einige Antworten auf Fragen geben, die mir einfallen, wenn ich versuche, die Datenbank mit den Augen eines Nutzers zu sehen, der zum ersten Mal im VD16 nach Informationen sucht.

Frage:

Wozu braucht man das Suchfeld „Dokumenttyp“?

Antwort: Wenn man in dem Suchfeld die Option „Online-Zugriff“ auswählt, erhält man alle Titel, von denen dem VD16 ein Digitalisat bekannt ist (das sind aber, wie man weiß, nicht alle, die tatsächlich existieren). Mit den sonst noch möglichen Eingaben „Aufsatz, Hochschulschrift, Zeitschrift, Zeitung“ erhält man dagegen nur Fehlermeldungen. Mit „Monographie“ wiederum bekommt man einfach alle Titel, und somit dasselbe, als wenn man in dieses Feld gar nichts eingetragen hätte. Dieselbe Auswahl zwischen „Monographie“ (also „alles“, ohne Auswahl) und „Online-Zugriff“ findet sich im nächsten Schritt am linken Rand noch einmal.

Das Suchfeld „Dokumenttyp“ hat im Web-Portal „Gateway-Bayern“ verschiedene Filtermöglichkeiten, speziell für das VD16 aber nur eine.

Frage:

Wozu dient das Suchfeld „Bestand“ im Dropdown-Menü?

Antwort: Mit dem Suchfeld „Bestand“ findet man alle Druckausgaben, die von einer bestimmten Bibliothek an das VD16 gemeldet worden sind. Wenn man zum Beispiel wissen möchte, welche Melanchthon-Drucke von der UB Erlangen an das VD16 gemeldet wurden, gibt man unter Autor „Melanchthon“ ein und im Feld „Bestand“ die Sigle der Universitätsbibliothek Erlangen.

Die Siglen der Bibliotheken kann man der „Liste der VD16-Bibliotheken“ auf der Eingangsseite entnehmen, und zwar ist das jeweils die Sigle in der dritten Spalte unter „OWN“. Links in der ersten Spalte finden sich die entsprechenden Abkürzungen aus dem gedruckten Grundwerk, ganz rechts die Auflösung der Sigle. Beispiel: Die Sigle für die Staatsbibliothek Berlin ist „vd013“.

Seltsamerweise haben die staatlichen Bibliotheken des Freistaats Bayern andere Siglen als die nicht-bayerischen Bibliotheken. Letztere wurden bis zur Nummer „vd234“ in alphabetischer Reihenfolge der Städtenamen vergeben (von Aachen bis Zwickau), danach in der Reihenfolge der jeweils ersten Titel-Meldung der Bibliothek. Die Sigle der Staatsbibliothek München dagegen ist z. B. „BSB01“.

In einigen Fällen waren aber wohl nur Meldungen versprochen worden, die aber nie eingetroffen sind, denn es gibt in der Liste einige Bibliotheken, die kein einziges Exemplar an das VD16 gemeldet haben (vd235, vd237, vd238, vd246, vd257). Solche Fälle gab es aber auch schon zu Zeiten des gedruckten Grundwerks (vgl. vd020, vd111, vd164).

Man kann auf diese Weise interessante Recherchen anstellen. Der Spitzenreiter der gemeldeten Ausgaben ist immer noch Wolfenbüttel (mit 43.000 Ausgaben), obwohl dort eigentlich die Bibliothek Alvensleben herausgerechnet werden müsste, die nach Halle umgezogen ist (bzw. nach Schloss Hundisburg). Dann stünde jetzt wohl München BSB an erster Stelle (mit fast 42.000 Ausgaben). Mit einigem Abstand kommt danach Berlin.

Einige große deutsche Bibliotheken, wie Stuttgart WLB, Erlangen UB und Augsburg SuStB haben aber erst einen Bruchteil ihrer Drucke des 16. Jahrhunderts gemeldet. Man muss sich vor Augen halten, dass Stuttgart WLB die zweitgrößten Bestände an Inkunabeln in Deutschland besitzt, also vermutlich auch eine Zahl von Cinquecentinen im Mengenbereich von Wolfenbüttel und München erreicht.

Und wenn man alle etwa 300 am VD16 teilnehmenden Bibliotheken und Archive durchgeht, stellt man fest, dass mehr als 90 von diesen nur ein oder zwei Exemplare gemeldet haben. Die Houghton Library der Universität Cambridge in Massachusetts gehört nicht dazu, da sie versehentlich zwei verschiedene Siglen bekommen hat (vd271 mit 2 Exemplaren und vd285 mit einem Exemplar) und somit zusammen auf drei gemeldete Exemplare kommt.

Frage:

Was ist ein Beiträger? Was ist der Unterschied zu einer „weiteren Person“?

Antwort: In Drucken des 16. (und 17.) Jahrhunderts gibt es sehr oft Beigaben wie Widmungsgedichte oder Vorworte, deren Autoren im VD16 als „Beiträger“ gesondert erfasst werden. Dazu werden z. B. auch Sprüche auf dem Titelblatt gerechnet, deren Urheber (z.B. Luther, Melanchthon, Erasmus, antike Autoren u.v.a.) zur Zeit des Druckes schon gestorben waren.
Da aber durch die Berücksichtigung solcher Kurzbeiträge die Trefferzahl bei der Suche nach Verfassernamen unter Umständen extrem aufgeschwemmt werden kann, gibt es die Möglichkeit, bei der Anzeige aller Treffer am linken Rand diejenigen Titel herauszufiltern, in denen die gesuchte Person nicht nur „Beiträger“, sondern eigenständiger Verfasser ist.

Wenn dagegen in einem Werk eines bestimmten Verfassers noch ein zweites oder noch mehr Werke von anderen Verfassern mit abgedruckt sind, dann erscheinen diese Namen in den Kopfzeilen unter „weitere Personen“. Die Titel der mitabgedruckten Werke werden dann weiter unten in der Titelaufnahme aufgelistet. Zu den „weiteren Personen“ werden z.B. auch Übersetzer gerechnet oder – wenn Illustrationen vorhanden sind – manchmal auch die Holzschnittkünstler, soweit sie bekannt sind. Diese „weiteren Personen“ haben dann hinter dem Namen den Zusatz „[Bearbeiter]“.

Im gedruckten Grundwerk gab es dazu noch die Personengruppe der „Mitverfasser“, für die Fälle, bei denen ein einzelnes Werk mehrere Verfasser hat. Diese Kategorie existiert in der online-Version des VD16 nicht mehr. Verschiedenen Autoren desselben Werks werden jetzt einfach unter „Verfasser“ aufgelistet, so zum Beispiel bei Universitätsdisputationen, bei denen immer der Präses an erster Stelle genannt wird und danach der Respondent (oder die Respondenten).

Frage:

Warum haben die VD16-Nummern manchmal Buchstaben, die gar nicht dem Autornamen entsprechen? (z.B. Baptista Mantuanus unter „S“, oder Johannes Gigas unter „H“)

Antwort: 1.) In einigen Fällen werden bestimmte Drucke unter dem Namen von Körperschaften geführt, so z.B. die Erlasse von Päpsten unter „K“ (Katholische Kirche) oder von Kaisern unter „D“ (Deutschland).

2.) In den meisten anderen Fällen handelt es sich aber um die Auswirkung einer Änderung, die mit der Eröffnung der online-Datenbank eingeführt wurde. Im gedruckten Grundwerk wurden die latinisierten oder gräzisierten Namen auf den deutschen Namen zurückgeführt, bei ausländischen Autoren wurde die Namensform des Herkunftslandes benutzt.
Von Johannes Gigas zum Beispiel gibt es einige Werke, in denen er sich Johannes Heune nennt. Deshalb wurde im Grundwerk diese Namensform verwendet. Baptista Mantuanus wird in italienischen Bibliographien gewöhnlich unter Giovanni Battista Spagnuoli geführt. Deshalb befand er sich unter dem Buchstaben „S“.

Mit der Transformation des Grundwerks in eine online-Datenbank wurde diese Regelung jedoch abgeschafft. Automatisiert konnte die dazu notwendige Änderung aber nur in den Kopfzeilen durchgeführt werden. Deshalb gibt es jetzt im VD16 viele Titelaufnahmen, in denen in den Kopfzeilen ein Beiträger mit dem allgemein üblichen latinisierten Namen auftaucht, in der Titelaufnahme weiter unten (unter „Weitere Informationen“) jedoch weiterhin wie im gedruckten Grundwerk mit der deutschen Namensform. Wer nicht weiß, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt, kann dadurch leicht in die Irre geführt werden. (Beipiel Beiträger Johannes Gigas)

Es gibt bei den verschiedenen Namensformen viele Einzelfälle, die man auch alle gesondert beurteilen müsste. Warum zum Beispiel der flämische Humanist Petrus Aegidius in Pierre Gillis umbenannt werden musste, ist mir nicht klar. Der Franzose Pierre d’Ailly dagegen ist Petrus de Alliaco geblieben. Das sind aber letztlich in der online-Datenbank nur noch Nebensächlichkeiten, da man auch bei Eingabe der anderen Namensform zu den entsprechenden Datensätzen hingeführt wird.

Frage:

Was ist ein Einheitssachtitel (EST)? Und warum fehlt der EST bei vielen Titeln?

Antwort: Einheitssachtitel braucht man dann, wenn kein Verfasser bekannt ist und wenn dasselbe Werk im Laufe der Jahre unter verschiedenen Titelformulierungen publiziert worden ist. Im gedruckten Grundwerk wurden solche Titel in chronologischer Reihenfolge zusammengeführt und dem Einheitssachtitel folgend ins Alphabet eingeordnet. Für die Ausgaben mit vom EST abweichendem Titeln gab es an der Stelle im Alphabet, an der sie eingeordnet hätten werden müssen, wenn von dem Werk nur eine Ausgabe existieren würde, einen Verweis auf den EST.

Problematisch war es nur, wenn sich erst nachträglich herausstellte, dass es sich bei zwei verschiedenen Titeln um dasselbe Werk handelte, wie z.B. bei „Ich will ein Weib nehmen“ (I 19 bis I 21) und „Ordnung eines vernünftigen Haushalters“ (O 886, O 887 und O 888). Der letztere Text müsste den EST des ersteren übernehmen. In der online-Datenbank wäre so etwas nachträglich leicht zu machen.

Die Einheitssachtitel sind in der online-Version des VD16 ganz besonders wichtig, denn hier kann man, anders als im gedruckten Buch, die verschiedenen Titelversionen nicht an einer Stelle zusammenführen, und es ist dann ohne EST für den Benutzer mühsam herauszufinden, wie viele Ausgaben eines bestimmten Textes es eigentlich gibt. Auch Unikate mit fehlendem Titelblatt können mit einem EST leichter zugeordnet werden.

Aber leider liegt eben darin ein besonderes Manko des VD16, weil die verschiedenen beitragenden Bibliotheken eigenständig Einheitssachtitel vergeben, oft ohne vorher genau zu prüfen, ob nicht schon andere Versionen desselben Textes im VD16 existieren. Häufig wird aber die Hinzufügung eines EST auch einfach vergessen.
Die oben genannten Nummern O 886, O 887 und O 888 haben daher immer noch keinen EST.

Nachgebessert wurde dagegen die VD16-Nummer B 6400 („Der bösen Weiber Zuchtschul“). Als bemerkt wurde, dass dieser Text ganz gleich war wie der von S 3427, S 3428 und S 3429 mit dem Titel „Ein schöner Dialogus … [etc.]“, bekamen alle „Bösen Weiber Zuchtschul“-Titel den Einheitssachtitel „Ein schöner Dialogus oder Gespräch von zwei Schwestern“ (außer ZV 13990, da hat man ihn vergessen).

Leider wurde dann nicht daran gedacht, den EST „Ein schöner Dialogus … [etc.]“ auch in den Nummern S 3427, S 3428 und S 3429, von denen der EST abstammt, einzutragen. Wenn man diesen EST im Suchfeld „Titel“ jetzt aufruft, werden die letzteren drei Ausgaben nicht angezeigt, weil ihre Titel gegenüber dem EST leichte orthographische Varianten aufweisen, so dass bei der Suche nur Titel erscheinen, die eigentlich mit „B“ wie „Böse“ beginnen anstatt mit „s“ wie „schön“.

Das systematische Nachtragen der Einheitssachtitel und die wirkliche Vereinheitlichung aller verschiedenen Titel, die im Laufe der Jahre vergeben wurden, ist eine Riesenarbeit, die noch darauf harrt, in Angriff genommen zu werden.

wird fortgesetzt

Neu in Cinquecentine.de: Konkordanz zum Repertorium deutschsprachiger Rhetorikdrucke 2018 von Knape und Liedflugschriften aus dem Quellenverzeichnis von Eberhard Nehlsen

Die Konkordanz zu den Drucken des 16. Jahrhunderts aus Knapes Repertorium umfasst 145 VD16-Nummern. Sie enthält auch Verweise zu der online-Datenbank Deutsche Rechtsquellen (DRQEdit), zum Handbuch zur Kinder-und Jugendliteratur und zum Verfasserlexikon des Mittelalters. Verweise auf die DRQEdit fehlen bei Knape.

Das Repertorium ist der dritte Band des Gesamtwerkes, in dem im Jahr 2017 ein Autorenlexikon zu den Rhetorikdrucken von 1450 bis 1700 und ein umfassendes Werkeverzeichnis mit über 1600 Titeln erschienen sind.

Der dritte Band, das Repertorium, bietet zu der begrenzten Auswahl der deutschsprachigen Rhetorikdrucke genaue Titelwiedergaben, eine typologische Zuordnung der Texte und die originalen Kapitelüberschriften, zudem Verweise auf die Sekundärliteratur. Leider sind die den Erstausgaben folgenden weiteren Auflagen nicht systematisch zusammengetragen worden. Die Nummern des Repertoriums sind dieselben wie die des Werkeverzeichnisses von 2017, das darüber hinaus auch lateinische und im Ausland gedruckte Titel umfasst.

Weitere Neuigkeiten in Cinquecentine.de:

Neben der Konkordanz zum Repertorium der deutschsprachigen Rhetorikdrucke wurde die Konkordanz zur Melanchthon-Bibliographie von Helmut Claus mit Verweisen auf das erwähnte Werkeverzeichnis der Rhetorikdrucke versehen, allerdings nur bezüglich der Erstausgaben. Die Verweise auf nachfolgende Auflagen, soweit sie im Werkeverzeichnis aufgeführt sind, werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgetragen.

Außerdem:

In der Liste der noch nicht erfassten Drucke des 16. Jahrhunderts erscheinen jetzt Liedflugschriften, die ich dem in Arbeit befindlichen Quellenverzeichnis von Eberhard Nehlsen entnommen habe. Er hat mir freundlicherweise eine Arbeitskopie davon zukommen lassen, die deutsche Lieder bis 1700 enthält und schon jetzt über 9700 Nummern umfasst (Liedflugschriften des 15. bis 18. Jahrhunderts. Quellenverzeichnis. Fassung vom 30. November 2018).

Die Nummern beziehen sich auf die Exemplare, nicht auf die Ausgaben. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Liederdrucke existieren, die noch nicht im VD16 erfasst sind. Ich bin bei der Durchsicht noch nicht bis zur Hälfte der Arbeitskopie gelangt und habe schon über 600 entsprechende Titel gesammelt. Ich werde Monate brauchen, um das alles die Liste einzustellen.

Besonders die Liederkonvolute der Bibliotheca Palatina in der Vatikanbibliothek, die Nehlsen systematisch durchforscht hat, enthalten zum Teil jeweils Dutzende von Unikaten. Eigentlich sind die Titeldaten dieser Schriften alle über die normalen deutschen Verbundkataloge zugänglich, weil die Mikrofiche-Ausgabe der Bibliotheca Palatina mit über 12.000 Titeln (davon über 10.000 Cinquecentinen) in vielen großen Bibliotheken vorhanden ist und die einzelnen Titel allesamt in den betreffenden Bibliothekskatalogen verzeichnet sind.

Aber da man bei den kurzen Titelaufnahmen des Katalogs der Bibliotheca Palatina die einzelnen Ausgaben nur schlecht voneinander unterscheiden kann, ist nur ein Bruchteil davon ins VD16 aufgenommen worden. Als die Mikrofiche-Edition dann Ende der 80er Jahre herauskam, hatte das VD16 schon andere Prioritäten, es mussten vordringlich die Bestände in München und in Wolfenbüttel bearbeitet werden. Und es ist auch nicht damit zu rechnen, dass diese Arbeit, also die Eingabe aller Titel ins VD16, in den nächsten Jahren von der Vatikanbibliothek in Angriff genommen wird.

Wenn es aber auch in anderen Gattungen so viele Unikate in der Biblotheca Palatina geben sollte wie in Bezug auf die Liedflugschriften, dann ist dort mit vielen hundert Ausgaben zu rechnen, die bisher noch nicht vom VD16 erfasst sind.

Zum Stand des VD16 (Dezember 2018) und zu Cinquecentine.de

Der zuletzt eingegebene Datensatz des VD16 trägt die Nummer ZV 31992. Das heißt, dass im vergangenen Jahr 375 neue Titel aufgenommen wurden, etwas mehr als im Vorjahr. Die XL-Nummern stehen bei XL 189, das bedeutet acht neue Titel im letzten Jahr.

Die Bibliotheken, die im letzten Jahr mehr als 100 Exemplare ans VD16 gemeldet haben, sind:

Fulda LB (1045)

Dresden SLUB (837)

Innsbruck Kapuziner (462)

Frankfurt UB (310)

Heidelberg UB (280)

Berlin SB (199)

München UB (184)

Nürnberg StB (145)

Dessau-Roßlau LB (135)

München BSB (110)

Außer Koblenz, Görres Gymnasium (66) liegen alle weiteren beitragenden Bibliotheken unter 50 Meldungen.

Neue teilnehmende Bibliotheken:

vd304 Berlin Geheimes Staatsarchiv (1)

vd305 Heiligenkreuz Stiftsbibliothek (1)

UBR01 Regensburg UB (4)

vd306 Den Haag KB (1)

vd307 Würzburg Staatsarchiv (1)

vd308 Innsbruck Kapuziner (462)

vd309 Torun/Thorn UB (Polen) (1)

vd310 (Nummer offenbar nicht belegt)

vd311 Berlin Kupferstichkabinett (1)

DMM01 München Deutsches Museum (1)

vd312 Braunschweig Stadtarchiv (1)

vd313 Mühlhausen Stadtarchiv (6)

vd314 Amsterdam Vrije Universiteit (15)

Die Datensätze des VD17 werden über die Suchmaske des VD16 seit September nicht mehr angezeigt. Hinzugefügt worden waren diese Daten im Jahr 2009, um übergreifende Suchoperationen zu ermöglichen.

2019 wird das VD16 fünfzig Jahre alt. Zum 40. Geburtstag vor 10 Jahren wurde gar nichts gemacht. Mal sehen, ob dieses Jahr irgendetwas erscheinen wird, in dem über das bisher Geleistete nachgedacht wird, und vielleicht auch darüber, wie man sich in dem Projekt die zukünftigen Ziele vorstellt.

Meine jährlichen Beobachtungen zum Fortschreiten des VD16 mache ich jetzt seit zehn Jahren. In dieser Zeit sind ca. 5600 neue Titel gemeldet worden, also im Durchschnitt 560 pro Jahr (allerdings bis zum letzten Jahr mit abnehmender Tendenz). Wenn es in diesem Tempo weitergeht (sagen wir, mit knapp 500 Titeln im Jahr), werden wir also für die nächsten 25.000 Titel ca. 50 Jahre brauchen.

Cinquecentine.de

Das Wiki der Drucke des 16. Jahrhunderts wurde im Oktober, nachdem am 19. September der Server für mehrere Wochen ausgefallen war, in „Cinquecentine.de“ umbenannt.

Nur zwei neue Einzelseiten wurden im Laufe des Jahres 2018 erstellt: über Ulrich Tengler, Der neu Layenspiegel und über die Bamberger Halsgerichtsordnung. Beide Seiten leiten zu den entsprechenden Artikeln im Historischen Lexikon Bayerns weiter.

Neue Konkordanzen gibt es zu den Stuttgarter Bibeldrucken, zu Weismanns Bibliographie der Katechismen von Brenz, zur Bucer-Bibliographie und zu Schottenlohers Buch von 1953 über Widmungsreden. Außerdem konnte man für einige Wochen ein Verzeichnis der VD16-Nummern von 1501 bis 1510 mit Illustrationen einsehen. Dieses letztere Verzeichnis ist noch nicht wiederhergestellt worden (es stieß allerdings auch auf nur geringes Interesse).

Bei dem Neustart der Seite im Oktober mussten die Links zum VD16 in den Konkordanzen „Griechischer Geist aus Basler Pressen“ und „Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutsche Frühhumanismus“ aktualisiert werden. Die Hinweise auf Digitalisate wurden in diesen Konkordanzen gelöscht, weil es zu viel Arbeit macht, sie immer auf dem letzten Stand zu halten. Mittlerweile sind ohnehin mehr als die Hälfte aller Titel im VD16 digitalisiert. (Das gilt leider nicht für Titel, die nur in Wolfenbüttel vorhanden sind, auch nicht für Unikate in Köln).

Die Liste der Drucke des 16. Jahrhunderts, die im VD16 noch nicht verzeichnet sind, enthält jetzt ca. 2200 Titel. Im letzten Jahr wurden, wie schon im Jahr zuvor, vor allem Basler Dissertationen und schlesische und pommerische Drucke, die sich in polnischen Bibliotheken befinden, eingetragen.

Die Liste der Drucke, die im VD16 zwar eine Nummer haben, aber keinen Exemplarnachweis, enthält jetzt ca. 2600 Titel.

Die britischen und irischen Bibliotheken mit größeren Beständen des 16. Jahrhunderts, die bisher in der Liste der Europäischen Bibliotheken eine Untergruppe bildeten, haben jetzt in Cinquecentine.de ein eigenes Verzeichnis bekommen. Neben den Daten aus dem Fabian-Handbuch konnten dazu die weitergehenden Angaben aus der neuen Ausgabe des Directory of Rare Books verwendet werden. Die erweiterte Neuauflage von 2016 wurde herausgegeben von Karen Attar.

Neu in Cinquecentine.de: Britische und irische Bibliotheken

Mit der 2016 erschienenen Neuausgabe des Directory of Rare Books, vormals herausgegeben von Barry Bloomfield, jetzt von Karen Attar, können die Angaben aus dem Fabian-Handbuch über britische und irische Bibliotheken ergänzt werden. Viele weitere Bibliotheken mit Drucken des 16. Jahrhunderts werden erfasst:

Britische und irische Bibliotheken mit Drucken des 16. Jahrhunderts

Außerdem neu: 20 weitere Basler Dissertationsdrucke von 1582, die noch nicht im VD16 erfasst sind:

nicht im VD16

Neu in Cinquecentine: 20 Drucke, vorwiegend aus Breslau, nicht im VD16

https://cinquecentine.de/index.php?title=Drucke_nicht_im_VD-16

17 Drucke davon stammen von dem Drucker Crispin Scharffenberg.

Außerdem die Hofer Ausgabe des Gebetbuchs von Habermann von 1567.
Die meisten Drucke befinden sich in der Universitätsbibliothek Wroclaw. Dazu aus der Ossolineum-Bibliothek in Wroclaw zwei Breslauer Lutherdrucke.

Im Ganzen enthält die Liste der noch nicht im VD16 verzeichnete Ausgaben bisher mehr als 2100 Titel.